Streitgespräch zwischen religionskritischem Biophilosophen und EKD-Ratsvorsitzendem am 24. Juni 2010

Der Gießener Prof. Dr. Ekkart Voland und der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider diskutierten über das Thema "Braucht Bildung Glauben". Die Veranstaltung wurde von Jacqueline Boysen, Deutschland Radio Kultur moderiert.

Das Streitgespräch fand am Donnerstag, 24. Juni 2010 um 20:00 Uhr in der Thomaskirche statt.

Voland ist Professor für Philosophie der Biowissenschaften in Gießen und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung. Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider ist Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Thesen der beiden Disputanten zu dem Thema finden Sie hier: E. Voland - N. Schneider
(Anmerkung Webmaster: diese Dokumente liegen mir derzeit nicht vor)


Information über den Vortrag von Prof. Topfstedt (Universität Leipzig) am 25. Mai 2010 zum Thema:

Vom einstigen Klosterareal zum neuen Universitätscampus am Augustusplatz. Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklung des Hauptgebäudestandortes der Universität Leipzig

Herr Prof. Topfstedt (Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, Herausgeber und Mitautor des Bandes 5 der Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009) referierte - wie vereinbart - zum genannten Thema.

Den Schwerpunkt bildeten Sachinformationen über die Entwicklung seit 1945. Er übergab uns anschließend seine CD mit der Power-Point-Präsentation zur internen Verwendung.

Die Veranstaltung wurde von Dr. Friedel (Verein Gästeführungen Leipzig und Umland e. V. ) als gemeinsame Veranstaltung mit der BI pro Uni eröffnet und moderiert. Hannes Schroth gab nach dem Vortrag im Namen der BI ein Statement. Danach wurden an den Referenten Fragen zu einem breiten inhaltlichen Spektrum gestellt.

Der Saal im Gartensaal des Mendelssohnhauses war gut besetzt - teils von Gästeführern, teils von der BI und teils von Dritten.

Die Spendensammlung als Äquivalent für die Raumnutzung ergab nach meiner Zählung einen Betrag von Euro 85,30. Die Honorarkosten für den Referenten (150 Euro) werden zwischen Gästeführerverein und BI geteilt.

Joachim Tesch
Möckernsche Str. 3
04155 Leipzig
Fon/Fax: 0341-9118055


Persönliche Eindrücke eines jungen Gastes *) zur Vorstellung des Buches "Res sacrae in den neuen Bundesländern" von Helmut Goerlich und Torsten Schmidt am 20.03.2010, während des Lesefests "Leipzig liest" der Leipziger Buchmesse 2010

Datum: 20.03.2010; Zeit: 20:11 – ca. 22:00
Ort: Museum in der Runden Ecke, Dittrichring 24, Kinosaal
Veranstalter: Bürgerkomitee Leipzig e. V. in Zusammenarbeit mit dem Berliner Wissenschaftsverlag

Teilnehmer u. a.:
Dankwart Guratzsch (Die Welt, hier: Moderator)
Helmut Goerlich (Autor)
Rüdiger Lux (Erster Universitätsprediger, Universität Leipzig)
Martin Oldiges (Stiftung Universitätskirche)
Johannes Kimme (Präsident des ev. Landeskirchenamtes Sachsen)

Bereits in der Begrüßung wurde gegen das Plakat der studentischen Vertretung der Leipziger Universität, dem StudentInnenrat, gesprochen: "Leipzig ist nicht Dresden – Gott sei Dank" ohne auch nur ein Wort zu den berechtigten Forderungen der Studierenden zu verlieren.

Die in der Einladung angekündigte Buchvorstellung beschränkte sich leider nur auf einige Worte zur Entstehung des Werkes. Es handelt sich um ein als Buch erschienenes Gutachten.

Die anschließende Podiumsdiskussion umfasste mehr als Dreiviertel der gesamt aufgewendeten Zeit.

In seiner Einleitung wies der Moderator auf Folgendes hin:

  • beim Umbau der Universität Leipzig besteht überregionales Interesse, Leipzig sei mit ca. 40 Neuansiedelungen in der Innenstadt (das Publikum zeigt sich bei dieser Behauptung geschlossen irritiert) ein deutscher Rekordhalter
  • was eine Stadt ohne Kirche ausmache, sehe man in Hamburg
  • so genannte Blogger werden generell als Gegner des Neubaus St. Trinitatis dargestellt
  • heute soll es um Gestaltungsfragen gehen
  • moderne Kirchen sind unter Umständen grundsätzlich schlecht (die Position zu dieser Behauptung war nur schwer auf die Schnelle nachvollziehbar)
  • die Position von Gegnern, es gäbe ausreichend Kirchen in der Innenstadt, könne entkräftet werden durch den Umstand, dass durch Kirchen eine Tradition des christlichen Abendlandes und einer Wertegemeinschaft wieder hergestellt werden könnte
  • bisher: Bauverantwortung bei Land Sachsen und Ausgestaltung Universität Leipzig, dies müsse nun überdacht werden, da es ja nun dieses Gutachten gäbe

Einige Worte des Autors:

  • es hat keinen Auftraggeber gegeben
  • es wäre von Anfang an unmöglich gewesen, keine Kirche zu bauen
  • es besteht ein Vertrag zwischen Land Sachsen und Kirche mit so genannter Freundschaftsklausel
  • schon die Außenarchitektur lässt auf eine Kirche schließen, deswegen müsse man es auch als Kirche ansehen (gemeint war wohl, dass der Universitätsneubau von außen architektonisch an eine kirchliche Bauweise erinnern soll)
  • er warte auf eine wissenschaftliche Antwort

Diskussion:

Folgen des Gutachtens:

  • wesentliche Weichenstellung, geistlicher Nutzung muss Rechnung getragen werden (an dieser Stelle wird nur eine 2-fache Nutzung erwähnt – neben christlicher und wissenschaftlicher wird die künstlerische hier ausgelassen)

Rechtliche Grundlagen:

  • könnte vor Verwaltungsgericht standhalten, vielleicht nicht klug, dies gerichtlich zu klären, aber aussichtsreich
  • Landeskirche wird kein Verfahren anstreben, es war immer eine Universität, Staat schon immer Eigentümer, auch der damaligen Kirche, eine sinnvolle Nutzung im Dreiklang ist notwendig, begrüßt die anstehende Emeritierung außerordentlich, Nutzungskonzept muss her, vernünftiges Gespräch muss her (widerspricht der kurz zu vor geäußerten Freude über die Emeritierung des Rektors der Leipziger Universität)

Wirksamkeit der Widmung:

  • Wenn eine Kirche wieder aufgebaut wird, lebt auch die Widmung wieder auf

Nutzungsszenarien:

  • es hat nie eine NutzerInnenkonferenz gegeben
  • es hat schon immer eine simultane Nutzung zwischen Universität und Universitätsgemeinde gegeben, deshalb sei alles immer auf Verständigung angewiesen
  • es gibt eindeutig eine Grenze der weltlichen Nutzung (z. B. Erotikmesse)
  • Eigentümer ist und bleibt die Universität, übermäßige Forderungen der Landeskirche sollte es nicht geben
  • Kirche tritt hier scheinbar als Bittsteller auf
  • es biete sich ein Verwaltungsabkommen an

In dieser einseitig geführten Diskussion war keine wissenschaftliche Antwort (wenn es denn eine solche überhaupt geben kann) zu erwarten. Selbst der Präsident des ev. Landeskirchenamtes wurde nach seinem Diskussionsbeitrag unsachlich angegangen.

Ergebnisse:

  • Die Veranstaltung scheint keine Ergebnisse forciert zu haben, jedenfalls waren zu diesem Moment keine erkennbar.

Fazit:

  • da es keinen Wiederaufbau der Universitätskirche, sondern einen Universitätsneubau gegeben hat, scheint es schwierig, die Widmung auf den Neubau übertragen zu können
  • die Landeskirche zeigt sich offen gegenüber einer 3-fachen Nutzung des Neubaus
  • problematisch an dieser Veranstaltung erscheint die einseitige Beleuchtung des Themas
  • Vertreter der Universitätsleitung (Prof. Häuser) war geladen, aber nicht erschienen (Nichterscheinen aber durchaus verständlich bei einer derart einseitigen Lage von VertreterInnen der verschiedenen Positionen)
  • VertreterInnen der studentischen Vertretung waren nicht eingeladen (bei einer demokratischen Vertretung der späteren NutzerInnen < ca. 28.000 StudentInnen > spricht die Nichteinladung für das Demokratieverständnis der einladenden VeranstalterInnen)
  • VertreterInnen der Bürgerinitiative für eine weltoffene, weltliche, autonome Universität Leipzig hatten eine Einladung abgelehnt, die Gründe der Ablehnung wurden den Gästen jedoch verschwiegen.

*) Namentlich der Initiativgruppe der Bürgerinitiative bekannt. Gekürzt.