An die -LVZ-
Zum Leserbrief "Unwahre Äußerung von Frau Professor Harms" vom 9. Dezember 2010:
Herr Brüggenwirth zitiert die Erklärung von Frau Harms unvollständig. Dort heißt es weiter: "Die Beteiligten sind sich ungeachtet der verbleibenden unterschiedlichen Beurteilungen in dieser Frage aber darin einig, dass die Entscheidungskompetenz rechtlich dem Bauherrn im Einvernehmen mit der Universität zusteht. Die bislang in dieser Frage in der Öffentlichkeit streitig geführte Auseinandersetzung wird nicht fortgesetzt."
Herr Brüggenwirth missachtet als Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung "Universitätskirche St. Pauli" diesen Teil der Abmachung vom 15. Dezember 2008.
Zuschauerreaktionen auf die Sendung "Glaube und Vernunft" vom 11.11.10 der ZDF-Redaktion "Kulturzeit"
Redaktion Kulturzeit
ZDF Sendezentrum
Otto-Schott-Straße 13
55100 Mainz
12.11.2010
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr Beitrag "Glaube und Vernunft" vom 11.11.10 ist mangelhaft recherchiert, verbreitet in einem entscheidenden Punkt eine grobe Unwahrheit und erweckt den falschen Eindruck, dass der Paulinerverein die einzige relevante Bürgerinitiative sei.
Zur Unwahrheit - In Ihrem Beitrag heißt es:
"Kirchenbefürworter wollen - wie vor der Zerstörung - einen Versammlungsort,
der Kirche und Aula, Konzertsaal und Begegnungsstätte in einem ist."
"Wie vor der Zerstörung" ist eine Lüge, denn im Zusammenhang mit der Universitätsreform in den 1830er (!) Jahren erhielt die Universität erstmalig einen eigenständigen weltlichen Festsaal. Diese Tradition wird mit der Aula im Paulinum wieder aufgenommen. Dazu heißt es in der offiziellen Universitätsgeschichte:
»Der entscheidende Einschnitt im Gebrauch der Kirche für akademische Akte ergab sich ... mit der Erbauung eines Universitätshauptgebäudes an der Stelle des einstigen Dormitoriums des Dominikanerklosters (1831-1836) nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel durch Albert Geutebrück; denn von nun an stand der Universität in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrer Kirche ein allen Fakultäten gemeinsamer Fest- und Versammlungssaal zur Verfügung. Damals wurde es allgemein üblich, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen mit einem solchen Saal auszustatten und ihn als Aula zu bezeichnen.«
Zit. aus Hartmut Mai, Die Universitätskirche St. Pauli, in: Geschichte der Leipziger Universitätsbauten im urbanen Kontext. Leipziger Universitätsverlag 2009, S. 118.
Zur Einseitigkeit Ihres Beitrages: In Leipzig existiert auch die Bürgerinitiative "Für eine weltoffene, weltliche und autonome Universität". Mit ein wenig mehr Mühe hätten sich die Autoren über www.buerger-pro-uni.de sachkundig machen und Kontakte herstellen können. Dann hätten sie auch erfahren, dass das Paulinum tatsächlich ein multifunktionaler Hochschulbau ist, in dessen sieben Obergeschossen die Fakultät für Mathematik und Informatik untergebracht werden wird.
All das wären sicherlich Gründe für einen zweiten Beitrag zum Thema.
Sehr verärgert, aber dennoch mit freundlichen Grüßen an die Redaktion, die vielleicht nicht wusste, was die Autoren ihr eingebrockt haben!
Joachim Tesch, 04155 Leipzig
Liebe Leute,
der gestrige Kulturzeitbeitrag ruft bei mir Empörung hervor! Haben Sie überhaupt einen Redakteur nach Leipzig geschickt, oder hat Pfarrer Wolff den ganzen Beitrag geschrieben und Sie ihn nur noch gesendet?
Der Streit in Leipzig besteht NICHT darin dass die Uni sich Ihrer Wurzeln nicht bewusst sei, gegen einen Multifunktionsraum sei, Angst vor der Religion hätte oder was auch immer. Im Gegenteil: der Paulinerverein trat von Anfang an für eine Rekonstruktiond der Kirche ein, und ist sauer dass die Uni einen multifunktionalen Bau errichtet.
Dazu ein paar Fakten, die Sie mit minimaler Recherche hätten entdecken und benennen können
- 1.) Oben im Gebäude befinden sich oben Fakultätsräume, es ist also mitnichten primär ein Kirchenraum.
- 2.) Die Abtrennung (umstrittene Glaswand) ist akustisch und öknonomisch nötig, denn (a) will man für Diskussionen und Kammerkonzerte eine "kleinere" Raumakustik und nicht die einer gotischen Kirche und (b) brauchen die Epitaphien im Andachtsraum eine bestimmte Klimatisierung - ohne Glaswand müsste das ganze riesige Gebäude permanent klimatisiert werden!
- 3.) Gerade zu Nutzung, Benennung, Glaswand usw. gab es etliche Diskussionen, zuletzt die Schlichtung von Bundesanwältin Prof. Monika Harms. Es ist insbesondere Herr Wolff, der jedwede Kompromisse immer und immer wieder öffentlich torpediert, den Rektor persönlich verunglimpft und sich selbst zum "zweiten Luther" aufspielt (siehe sein "Thesenanschlag" am Bauzaun am 31. Oktober 2008).
- 4.) Und zuletzt das liebe Geld: dies ist ein Universitätsbau aus Landesmitteln für Universitäten. Hier findet nicht primär eine Kirchenrekonstruktion statt, sondern ein Universitätsbau. In herausragender Verantwortung vor der Missetat der Sprengung soll der Neubau an die Paulinerkirche erinnern. Das tut er in einer m.E. guten Weise; er verbindet Andenken mit neuen architektonische Elemente und multifunktionale Nutzung.
Bitte Bitte, wenn Sie das nächste mal über solche lokalen Streite berichten, recherchieren Sie und lassen Sie nicht nur die beiden größten Advokaten einer Seite der Meinung zu Wort kommen!
Beste Grüße, ihr treuer Zuschauer
Martin Hergert
Sehr geehrte Verantwortliche des Beitrages >Glaube und Vernunft< in der >Kulturzeit< am 11.11. (leider nicht 11 h 11.)
Bisher habe ich die Kulturzeit immer mit Vergnügen und Gewinn gesehen. Nach Ihrem Beitrag über die ehemalige Universitätskirche in Leipzig, das Paulinum und die Zusammenhänge mit der Sprengung 1968, hoffe ich nur, dass bei Ihren anderen Beiträgen nicht ähnlich schlampig recherchiert sowie parteiisch informiert und Stellung bezogen wird.
Der Eindruck, den Sie vermitteln, dass nämlich die Leipziger Bürger, zusammengeschlossen im >Paulinerverein< , empört Front machen gegen eine selbstherrliche Universität und ein paar Ewiggestrige, stimmt einfach nicht. Es gibt in Leipzig zwar eine lautstarke Gruppe mit viel medialer und offiziöser Unterstützung , die in Ihrem Beitrag zu Wort gekommen ist, aber es gibt auch eine >gefühlte Mehrheit<, die sich hinter die Forderung nach Versachlichung der Diskussion und die Beibehaltung des ernsthaft erarbeiteten Kompromisses zur Nutzung und Benennung des Komplexes, stellt. Sie wird vertreten durch die universitären Gremien und die >Bürgerinitiative Pro Uni<.
Es stimmt auch nicht, dass sich hier klammheimliche Befürworter der Zerstörung der Kirche 1968 und Apostel der Gerechtigkeit und deshalb Vertreter eines Wiederaufbaus gegenüber stünden, der Konflikt liegt tiefer und das wenigstens anzukratzen, hätte der Sendung gut zu Gesicht gestanden.
Gestatten Sie, dass ich etwas näher darauf eingehe:
Es geht um den Grundkonflikt Kirche und Staat oder auch Laizismus und Religion, gemeinhin und schon ab Beginn des 20. Jahrh. als >Kulturkampf< bezeichnet.
Einen solchen Kulturkampf besonderer Art gibt es derzeit in Leipzig. Als ob es die von Bismarck eingeleitete, in der Weimarer Republik erstmals in Verfassungsrang erhobene und im Grundgesetz der Bundesrepublik eindeutig fixierte Trennung von Staat und Kirche nie gegeben hätte, versuchen kirchliche Kreise Replikate der 1968 gesprengten Paulinerkirche als geistliches, christliches Zentrum der neuen Universität zu etablieren. Nicht genug, dass dieser im Jahre seiner Fertigstellung 2011 modernste Universitätsneubau Deutschlands schon aussehen wird wie eine riesige Kirche, soll nun auch gesichert werden „ ...dass sich die Universität zur Universitätskirche als geistlichem Zentrum bekennt.“
Unter >Universitätskirche< wird das merkwürdig verquaste eklektizistische Implantat rekonstruierter Teile der ehemaligen Paulinerkirche verstanden, das im Wesentlichen als Fakultät Mathematik und Information, Aula und in einem abgetrennten Teil auch als Gedenkstätte und christlicher Andachtsraum genutzt werden soll. Und weiter wird ausgeführt, dass das nur sinnvoll wäre, wenn „...sie ( die >Unikirche< d.V.) von der Universität als notwendiger Teil des Wissenschaftsbetriebes im 21. Jahrhundert verstanden wird.“ Die Zitate stammen aus einer Stellungnahme des Innenstadtkonvents der evangelisch-lutherischen Kirche. Dort heißt es weiter:
„...ein Wissenschaftsbetrieb, der meint auf die Frage nach Gott verzichten zu können, verleugnet seine Wurzeln und wird anfällig für ideologische Vereinnahmungen. Religions-, Meinungs- und auch Wissenschaftsfreiheit setzen voraus, dass es Glauben, Überzeugungen, wissenschaftliche Ergebnisse gibt, die sich frei entfalten können müssen. Deswegen braucht die Universität Leipzig ein geistliches Zentrum...“
Dass dieser starke Tobak einer Gesellschaft in die Nase sticht, die mehrheitlich der Auffassung ist, dass eine moderne Universität sich tunlichst aus solchen rückwärts orientierten und zum wilhelminischen Bildungsideal tendierenden Auffassungen heraus hält, liegt auf der Hand.
Rektor Franz Häuser sah sich bei seinen vorrangigen Bemühungen um eine moderne funktionierende Aula mit einem separiertem kirchlichen Teil, aber auch angemessene Erinnerung und Mahnung an die Sprengung der Kirche vor 38 Jahren , durch die Pauliner so unter Druck gesetzt, dass er von bisher nicht vorstellbarer öffentlicher Diffamierung seiner Person sprach.
Mich würde es wirklich interessieren, wie es zu so einem einseitigen, oberflächlichen Beitrag kommen konnte und bitte um eine Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Joh. Schroth
Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,
ich gehe davon aus, dass Sie den Beitrag "Glaube und Vernunft" von einem anderen Sender übernommen haben. Sollte das angegeben gewesen sein, so habe ich das übersehen; ich muss mich also mit meiner Beschwerde an Sie wenden.
Keiner Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat zu diesem Thema vor Ort über die wahren Zusammenhänge recherchiert. Der Beitrag ist offenbar von Vertretern des Paulinervereins und dessen PM-Figur, Pfarrer Wolff, verfasst bzw., was die boshaften Faktenverdrehungen betrifft, vorgegeben worden. So ziemlich alles war von bewusst bösartiger Verfälschung, schlichtweg eine Ohrfeige für die überwältigende Mehrheit der Leipziger, die die Ziele des Paulinervereins nicht unterstützt und die Auslassungen des Herrn Wolff als eine Unverschämtheit empfindet.
In der "Leipziger Volkszeitung" vom 08.11.2010 hätten Sie in dem Artikel "Der Bau heißt Paulinum - Uni-Kanzler Nolden redet KLartext" die richtigen Fakten haben können. Desweiteren empfehle ich das Heft 143 FORSCHUNGEN vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, herausgegeben in diesem Jahr. Unter Punkt 5/Fallstudien ist die Leipziger Problematik von der Vorgeschichte bis zu den heutigen Ergebnissen sauber dargestellt.
Nachdem ich Ihren gestrigen Beitrag sah, muss ich befürchten, dass Sie sich für einen objektiven und kritischen Beitrag über die NPD den Text dazu von derem Parteichef zuarbeiten lassen. Ihre künftigen Sendungen werde ich nach dieser Sendung vom 11. November wesentlich kritischer als bisher betrachten.
Ulrike Bär - 04105 Leipzig
An die -Zeit-
An die -LVZ-


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Leserbrief vom 9.9.09 (trotz Beschwerde beim Chefredakteur der LVZ nicht veröffentlicht)
Markkleeberg, den 09.09.2009
Prof. Dr. W. Geisler
04416 Markkleeberg
Leipziger Volkszeitung
Lokalredaktion
Petersteinweg 19
04107 Leipzig
Das ist keine Schizophrenie, Herr Thomaskantor Biller,
Sie als hochgeachteter Kirchenmusiker müssen von Baufinanzierung nichts verstehen - tun Sie offenbar auch nicht. Weder die EV.-luth. Landeskirche Sachsen, noch der Sächsische Landtag, noch der Bundestag haben Bauförderungsmittel für die Wiedererrichtung der 1968 schändlich gesprengten Paulinerkirche mit etwa 900 Plätzen bewilligt. Es entsteht schon vom Baumaterial her - Naturstein und Backstein - keine Paulinerkirche, sondern ein multifunktionales Gebäude aus Beton mit Natursteinverblendung. Das Gebäude wird mit Hochschulbauförderungsmitteln (HBFM) 50 % Bund, 50 % Land errichtet, um die Höhe im Innenraum zu finanzieren, musste die Universität in ihrem Institutsgebäude an der Grimmaischen Straße die gesamten Läden privatisieren. HBFM sind jedoch nur für die Errichtung von Hörsälen, Instituten etc. bestimmt, nicht für den Bau von Kirchen. Der Bundesrechnungshof könnte deshalb Bundeszuschüsse zurückfordern. In das Gebäude sollen die geretteten und restaurierten Kunstwerke eingebracht werden. Das geht nur, wenn der Raum klimatisiert wird, da das Baumaterial Beton ist. Wenn der ganze Raum klimatisiert werden muss, zahlt die Universität jährlich 150 - 180.000,00 Euro dafür, wenn nur der Kirchenraum im Ostteil klimatisiert wird, fallen noch Kosten von ca. 50 - 60.000 Euro an. Das die Universität das Gebäude ohne die mobile Glaswand nur eingeschränkt als Aula nutzen kann, interessiert die Verfechter der Wiedererrichtung der Paulinerkirche in voller Größe offensichtlich nicht. Die Universität hatte bis zur Zerstörung seit den 30er Jahren des 19. Jh. eine Aula. Herr Thomaskantor, wo liegt da die Schizophrenie? Ob wir in Leipzig ein weiteres Einheitsdenkmal brauchen, darüber kann man mit Fug und Recht sehr geteilter Meinung sein. Wir haben im Nikolaikirchhof eine würdige Stele und der Neubau des Paulinums erinnert an die Paulinerkirche und in ihrer schiefen Achse sogar an deren Sprengung.
Mit verbindlichen Empfehlungen
Ihr
Dr. Werner Geisler
Brief an die Lokalredaktion 8.12.2009
From: ****
To : ***
Date: 08.12.2009 23:28:18
Berichterstattung der LVZ vom 7. Dezember 2009
Sehr geehrter Herr Mayer,
bisher gehörte ich zur schweigenden Mehrheit der Leipziger, weil ich einer unparteiischen Berichterstattung der Lokalredaktion vertraute. Das trifft in der Angelegenheit PAULINUM nicht mehr zu. Dieses Thema wird uns leider noch länger erhalten bleiben. Deshalb gestatte ich mir, Sie auf die Bürgerinitiative pro Uni (u. a. Anzeige in der LVZ v. 5./6.12.2009, Seite 19 bzw. Baumspende in der Grimmaischen Straße in Leipzig)hinzuweisen und gleichzeitig vorzuschlagen, dass Sie diese Bürgerinitative gelegentlich besuchen.
Mit freundlichen Grüssen
U. Stolzenburg
Leserbrief vom 11.12.2009
Reaktionen auf den Artikel in
der -Zeit- vom 04.12.09:
"Leipziger Universitätskirche: Halleluja! Halleeeeeluja!"
Leserbrief vom 15.12.09
Markkleeberg, den 15.12.2009
Prof. Dr. W. Geisler
04416 Markkleeberg
Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG
20079 Hamburg
Leserbrief zur ZEIT Nr. 51 vom 10.12.2009, Zeit für Sachsen: Gibt es was zu feiern?
Frau Finger bezeichnet in ihrem o. g. Artikel Leipzig als "berüchtigte Kirchensprengmeistermetropole". Diese Titulierung ist wohl dann doch etwas hochgezogen, auch wenn die Sprengung der im 2. Weltkrieg fast unversehrten Universitätskirche St. Pauli 1968 eine ideologisch motivierte Kulturbarbarei war. Nun muss ich jedoch darauf hinweisen, dass bereits unsere Vorfahren über Jahrhunderte Kirchen nicht nur umbauten, sondern im 19.Jahrhundert diese einfach abrissen. Besonders bizarr ist dabei der Abriss des Domes zu Hamburg, der Platz ist heute ein Rummelplatz. Der Erhaltungsaufwand erschien den "Pfeffersäcken" wohl zu hoch. Auch in Leipzig wurde 1870 die alte Peterskirche entfernt und an anderer Stelle eine viel größere neugotische Peterskirche gebaut, die heute kaum erhalten werden kann. Über die Zerstörung von Kunstwerken in den alten Kirchen unter dem calvinistischen Einfluss soll hier nicht gesprochen werden.
Nun dient Frau Finger dies nur als Einstieg, um mit Fehlinformationen und unvollständigen Tatsachendarstellungen einen Meinungsartikel gegen die Universität, besonders den Rektor Prof. Dr. Häuser zu schreiben, als sei sie die Pressereferentin des Paulinervereins - wenig Fakten, viel Meinung. Falsch ist die pauschale Behauptung, dass jahrhundertelang Kirche und Aula in einem Raum war (eine permanente Behauptung der Pauliner). Spätestens in den 30 er Jahren des 19. Jahrhunderts, als sich die Universität aus mittelalterlichen dualen Ordinarienstrukturen emanzipierte, gab es auf dem Universitätsgelände eine Aula außerhalb der Paulina, die Aula wurde zweimal erweitert. Der Paulinerverein behauptet bis heute, es hätte eine Aula-Kirche bis 1968 gegeben. Das war schon aus räumlichen Gegebenheiten unmöglich, entsprach aber auch der aufgeklärten Haltung der Universität und der ausgesprochen konservativen Lutheraner theologischen Fakultät nicht.
Nun wird ein Universitätsgebäude mit Hochschulbauförderungsmitteln (HBFM) - 50 Prozent Bund/50 Prozent Land gebaut. Die Höhe des Gebäudes, um an den gesprengten Kirchenbau anzuschließen, konnte nicht mit HBFM finanziert werden, sondern wird durch Privatisierung der Läden im Uni-Instituts-Gebäude in der Grimmaischen Straße bezahlt. Die Universität hat für die Höhe des Gebäudes gesorgt. Dieses Gebäude wurde über einem Kompromiss durch die Generalbundesanwältin zum Paulinum (Aula, Universitätskirche St. Pauli) genannt.
In den Dachgeschossen wird die Fakultät für Mathematik untergebracht. Niemand, nicht die Ev.-luth. Landeskirche, der Landtag Sachsen, der Bundestag hat das Geld für den Wiederaufbau der Universitätskirche aufgebracht. Man kann sagen: Das Gebäude eignet sich als Kirche, sieht auch so aus - also soll es Kirche sein.
Wie soll die Universität damit umgehen? Mit HBFM gebaut, eine Kirche für 700 - 900 Menschen ist kein Hörsaal oder Institut und auch nicht für die Ausbildung für künftige Theologen legitimierbar. Als Aula ist ein Raum in gotischen Ausmaßen, voll mit Epitaphen und mit Säulen als dreischiffige Kirche nicht nutzbar Es muss aber zur Erhaltung der Kunstwerke klimatisiert werden, Kosten dafür ca. 150 - 180.000 Euro/pro Jahr. Zur Minimierung der Kosten ist deshalb der Einbau einer Glaswand vorgesehen, die die Nutzung als Aula ermöglicht.
Der Rektor vertritt die Beschlüsse des Senates der Universität und auch sein Nachfolger im kommenden Jahr ist daran gebunden. Die Universität kann nicht die HBFM zweckentfremden für den Wiederaufbau einer Kirche mit 700 - 900 Plätzen. Es wird einen Gottesdienstraum mit ca. 240 Plätzen geben, der Paulinerkirche heißen wird. Der Paulinerverein aber spiegelt vor, man könne einen neugotischen Kirchenraum, bis hinten dreischiffig mit Säulen, auch als Aula und auch als Hörsaal nutzen.
Aber die Lösung Gottesdienstraum, mobile Glaswand, Aula reicht den Scharfmachern des Paulinervereins, nun auch einer Stiftung, die für den Bau nichts geleistet haben, voran der Pfarrer der Thomaskirche, Herr Wolf, nicht. Sie haben erreicht, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden ist, alle evangelischen Geistlichen in Leipzig Fakultät und Pfarrer) seien/kämpften für die Übernahme des gesamten Gebäudes als Kirche. Erinnert sich niemand mehr an die einstimmigen Beschlüsse vor 1989? Aber was tut Ihre Journalistin? Sie rügt den 2. Universitätsprediger dafür, dass er in seiner Predigt keine Scharfmacherei betrieben hat, sich nicht gegen die Glaswand als Raumteiler ausgesprochen hat. Übrigens etwas Nachhilfeunterricht in Juristerei an Frau Finger. Es gibt kein Gesetz, in dem steht, das dieses auf Staatskosten (und Universität) errichtete Gebäude nur der Kirche zustünde. Es gibt ein kirchenrechtliches Gutachten "res sacrae", nach dem die Kirche ein Bestimmungsrecht über die räumliche Nutzung und Ausstattung des Gebäudes haben soll, egal, wer die Bau- und Betriebskosten tragen muss. Danach bekommt die Kirche einen Neubau, für den sie nicht einmal die Folgekosten tragen muss. Dass das einen evangelisch-lutherischen Juristen nicht überzeugt, ist vielleicht verständlich. Den bekennenden Katholiken und Rektor der Universität, Herrn Prof. Dr. Häuser, kann das nicht überzeugen.
gez. Werner Geisler
Reaktionen auf den Artikel in der -Welt- vom 08.12.09:
"Gebt uns diesen sakralen Raum zurück!"
Leserbrief vom 08.12.09
Date: Tue, 08 Dec 2009
Subject: Re: "Gebt uns diesen sakralen Raum zurück"
From: ****
To: ****
Sehr geehrter Herr Guratzsch,
ich freue mich sehr, wenn die WELT aus Leipzig berichtet; der Neubau der Universität am Augustusplatz verspricht, architektonisch spektakulär zu werden. Wohl die meisten Leipziger freuen sich sehr, dass der ästhetische Entwurf an das Schicksal der Universitätskriche gemahnt, ohne sie als Duplikat wieder zu errichten. Ihr o.g. Artikelt enthält jedoch einige Ungenauigkeiten, die es ggf. wert sind, korrigiert zu werden:
Die "Stiftung Universitätskirche St. Pauli" verfolgt ggf. ehrbare Ziele, im Diskurs zum Neubau vertritt sie jedoch extreme Positionen und bedient sich unlauterer Mittel: Stiftungsvorsitzender Prof. Martin Oldiges hat hier eine Denkschrift ("res sacrae") gefertigt, die aufgrund der verwendeten Literatur (die Arbeit stützt sich auf eine Vielzahl von Quellen aus dem Zeitraum 1933-45) wissenschaftlich wenigstens fragwürdig ist und keinesfalls eine ausgewogene Abhandlung zum Thema darstellt. Prof. Oldiges versucht hier, der Universität jegliches Mitspracherecht bezüglich der Nutzung des Paulinums abzusprechen.
Der von Ihnen konstruierte Streit zwischen "Universität, sächs. Regierung, Kirche, Studentengemeinde und Stiftung" existiert so nicht: Rechtshängig ist ein Streit zwischen Architekt und Freistaat über den Umfang des geistigen Eigentums des Architekten. Zudem gibt es eine sehr emotional geführte Auseinandersetzung zwischen denjenigen, die den Neubau der Universität vordringlich für Forschung und Lehre nutzen möchten und einer Minderheit, die eine religiöse Nutzung des Paulinums für dringend erforderlich erachtet. An dieser Stelle darf der Hinweis erlaubt sein, dass in der Leipziger Innenstadt 3 evangel. Kirchen existieren, die nicht gerade unter Besucherzulauf stöhnen. Viele Kirchen in der Stadt sind in einem bedauernswerten Zustand, Gemeinden müssen ob Mitgliedermangel zusammengelegt werden. Offenkundig gewinnen in Leipzig langsam die Agnostiker die Oberhand.
Das ausgerechnet Sie als "Dresdner Wessi" unseren tapferen Universitätsrektor Häuser als "Wessi" diffamieren, fällt in Leipzig auf völlig unfruchtbaren Boden: Die Leipiger haben die deutsche Einheit herbeidemonstriert - in dieser Stadt führt eine Auseinanderdividierung von Wessis und Ossis nur noch zu gelangweiltem Gähnen;hier ist wirklich jeder (insbesondere kluge) Kopf sehr willkommen. Dass der Katholik Häuser allerdings einen guten Teil seiner Kraft nicht den dringend notwendigen Korrekturen am Bologna-Prozess widmen kann, da er sich einer kleinen, aber lautstarken Schar evangelischer Eiferer zu erwehren hat, hätte er sich bei Amtsantritt gewiss nicht träumen lassen.
Entgegen Ihrer Mitteilung will Prof. Häuser den Neubau nicht als Aula vermeintlich umnutzen; vielmehr wurde lt. Ausschreibung der Universität eine Aula errichtet, die in ihrer Silhouette an die gesprengte Universitätskirche mahnen soll. Diesen Anforderungen genügt zumindest der Rohbau eindrucksvoll.
Plumpe Polemik stellt Ihre Behauptung dar, der Rektor wolle den Altar hinter einer Trennwand wegsperren. Zutreffend ist vielmehr, dass eine Glaswand den Raum bei Bedarf teilen kann, um eine vielfältigere Nutzung zu ermöglichen.
Wenn Sie den Thomaskantor Wolff (der wie ein Löwe kämpfte, als ihn seine Landeskirche aus Leipzig zurückbeordern wollte) mit seiner Aussage zitieren, dass es ein Skandal sei, wie die Universität vermeintlich Gottesdienste blockiere, so darf ich Ihnen versichern: Der eigentliche Skandal ist, wie Pfr. Wolff und einige wenige ev. Christen die Autonomie der Universität untergraben und unter Hintanstellung jeglicher Nächstenliebe Herrn Rektor Prof. Häuser diffamieren.
Dass es auch anders geht, demonstriert in diesen Tagen die kathol. Kirche in Leipzig: Sie erwarb (aus eigenen Mitteln) ein Filetstück im Leipziger Zentrum und wird dort die neue Probsteikirche St. Trinitatis bauen, den Siegerentwurf darf sich ab kommenden Sonntag jeder Leipziger anschauen. Es wird lebhafte Diskussionen geben (die Leipziger sind an ihrem Stadtbild brennend interessiert), doch der Bauherr entscheidet.
Nichts weniger reklamiert die Universität Leipzig - wie stets in ihrer 600jährigen Geschichte - für sich. Ich wünsche der Universität in dieser manchmal schon absurden Auseinandersetzung Durchsetzungsvermögen; Rektor Häuser ist nicht allein. Die Leser der WELT sind nur zu herzlich eingeladen, sich in Leipzig selbst ein Bild von diesem faszinierendem Bauwerk und dieser tollen Stadt zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
P.Gischke
(RA, tätig in Leipzig, Chemnitz, Pirna, Mülheim/Ruhr!)
Leserbrief vom 10.12.09
Von: ***
An: ****
Betreff: Paulinum Leipzig
Datum: 10. Dec 2009 17:15
Betr. "Gebt uns diesen sakralen Raum zurück!", Nachrichten-Artikel vom 8. Dezember 2009,
Hochgeschätzte Welt-Redaktion,
weder vor noch nach der Sprengung der Paulinerkirche hat die Studentengemeinde unter einem Mangel an "sakralem Raum" gelitten. Wenn Egeraat mit der "gebrochenen Form" an eine "einstürzende Kirche" erinnert, dann ist wohl auch die Assoziation zum Schwund der Kirchengemeinden nicht so ganz von der Hand zu weisen.
So gesehen ist es schon beachtlich, dass der Paulinerverein über 600 Besucher zum Gottesdienst aktivieren konnte. Dies zu einem Votum "der Leipziger" für die "Bestimmung dieses Gebäudes als Kirche" hochzustilisieren ist jedoch völlig abwegig.
"Wir Leipziger" schämen uns eher, dass der berühmt-berüchtigte Ablassverkäufer Tetzel seinen Stammsitz in eben dieser Kirche hatte - und dort mehr Jahre verbracht hat, als Luther Stunden oder gar Minuten..
Eines können Sie mir glauben: Der allmächtige Gott, der den Krösussen mittels Finanzkrise nun wieder Milliarden auf die Konten gespült hat - ein Gott "der Leipziger" ist er nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Schallehn
04107 Leipzig
Leserbrief vom 10.12.09
Gesendet: Do. 10.12.09 (18:18)
An: ****
Betreff: Universitätsjubiläum Leipzig
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihren Artikel habe ich mit großem Unmut gelesen und kann mich nur wundern, wie ein solch besonderes Jubiläum und eine bereits entschiedene Nutzung des Paulinums wieder durch ewig gestrige Streithähne herabgewürdigt werden soll.
Der Neubau gehört der Uni Leipzig und in allererster Linie den Studierenden - Schluss mit der Streiterei, sie sollte echter Christen unwürdig sein!!!
Mit freundlichen Grüßen
Margit Goldmann


